Sicherheitstraining 2011 in Neustadt/Holstein PDF Drucken
Samstag, den 03. Dezember 2011 um 13:20 Uhr
Beitragsseiten
Sicherheitstraining 2011 in Neustadt/Holstein
Sicherheitstraining Neustadt, zweiter Tag
Alle Seiten

Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr in Neustadt HolsteinEs ist Freitag, 12 Uhr und ich sitze nicht im Büro in Bayern, sondern habe mich an der Ostsee eingefunden. Hier auf dem Parkplatz des „Einsatzausbildungszentrum Schiffssicherung“ der Marine in Neustadt/Holstein warten bereits einige segelbegeisterte Gleichgesinnte. Auf uns wartet ein anderthalb tägiger Kurs „KA-Sicherheitstraining in Neustadt“, der uns rund um das Schlagwort „Überleben auf See“ theoretisches aber vor allem praktisches Wissen vermitteln will.

Pünktlich erscheint dann Kapitänleutnant a.D. Otto Stoehr, unser Chefausbilder und begrüßt die 34 Teilnehmer mit den Worten „Sie sind freiwillig hier!“. Schnell werden die Teilnehmer auf die 5-Bett-Zimmer verteilt; diese sind kasernentypisch einfach und zweckmäßig. Kurz danach begeben wir uns in den Seminarraum, Herr Stoehr beginnt mit allgemeinen Hinweisen und stellt uns die anderen Ausbilder vor. Dann trifft bahn bedingt etwas verspätet der Referent von der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) ein. Sicherheitstraining Neustadt: Andreas löscht mit dem CO2 Feuerlöscher

Der Vortrag vom BSU verdeutlicht anhand typischer Seeunfalluntersuchungen, die Hauptursachen für Seeunfälle mit Yachten. Wer nicht ohnehin regelmäßig die lehrreichen Publikationen des BSU liest, erfährt hier garantiert wichtige Hinweise. So mancher Seeunfall ließe sich wohl durch regelmäßiges Tragen von Rettungswesten, den Verzicht auf Alkohol an Bord, sowie gute und angemessene Ausrüstung verhindern. Brandklassen (http://de.wikipedia.org/wiki/Brandklassen)

Nachdem die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt wurden (Paare und Gruppen werden bewusst getrennt), geht es für meine Gruppe zu einem Vortrag über Brandbekämpfung an Bord. Die verschiedenen Brandklassen werden dabei ebenso erklärt wie die passenden Löschmittel. Nach dem Vortrag werden blaue Overalls und feuerfeste Masken verteilt. Anschließend geht es zur Brandhalle, die fast komplett aus einem riesigen Rauchabzug besteht.

 

Unsere erste Aufgabe wird es sein, mit einem 6 kg CO²-Feuerlöscher eine Blechwanne mit brennendem Benzin zu löschen. Die Ausbilder demonstrieren uns die richtige Technik und Haltung (Kammgriff) des Löschers, danach probiert es jeder Einzelne von uns. Dabei ist stets ein Ausbilder, der Tipps gibt und auf die Sicherheit achtet. Als zweite Aufgabe wird ein Hubschraubermodell in Originalgröße mit Benzin übergossen, entzündet und soll von uns mit 12 kg Pulverlöschern gelöscht werden. Sicherheitstraining Neustadt Die Löschwirkung der Pulverfeuerlöschers ist beeindruckend. Selbst ein derart großes Feuer ist damit in den Griff zu bekommen. Dazu wird zuerst der brennende Boden um den „Hubschrauber“ gelöscht, so dass man näher herangehen kann, dann wird mit gezielten Sprühstößen das Innere gelöscht. Abschließend wird durch einen Rundgang um die Brandstelle sichergestellt, dass alle Flammen erloschen sind, bevor „Feuer gelöscht!“ verkündet wird. Auch das Löschen eines Fettbrandes mit einer Löschdecke wird uns gezeigt. Eindrucksvoll ist ebenfalls der vergebliche Versuch, brennende Holzscheite mit CO² zu löschen – gegen einen Brand der Klasse A (mit Glut) hilft eben kein CO².Leere Feuerlöscher

Zum Abschluss der Brandbekämpfungsübungen wird eine mehrere Quadratmeter große Wanne mit Benzin entzündet. Diese wird zuerst mit fein zerstäubtem Wasser aus zwei Feuerwehrschläuchen gelöscht. Auf meine Frage hin, ob dies auch mit Pulver möglich sei, hat unser Ausbilder gleich den ersten von zwei Freiwilligen für die letzte Übung gefunden. Die große (nun wieder brennende) Benzinwanne soll mit zwei Pulverlöschern bekämpft werden. Vorher prüft unser Ausbilder auffallend genau, ob meine Haare auch komplett unter der Schutzmaske versteckt sind und der Overall richtig geschlossen ist. Feuer Außerdem stellen sich sicherheitshalber weitere Feuerwehrleute mit Löschern bereit, das gibt mir ein wenig zu denken. Schließlich nähern wir uns, immer begleitet von je einem Feuerwehrmann dem Feuer und beginnen gleichzeitig (etwa im 90° Winkel) das Feuer zu löschen. Ein Brand dieser Größe entwickelt eine extreme Hitze und treibt uns zur Eile. Doch nach und nach gelingt es, die Flammen zurückzudrängen. Als unsere beiden 12kg Feuerlöscher fast leer sind, unterstützen uns die sicherheitshalber anwesenden Feuerwehrmänner doch noch und die letzten Flammen erlöschen. Mich hat die Löschwirkung eines großen Pulverlöschers (12 kg) beeindruckt, obwohl dieser durch das feine Pulver natürlich auch selbst einen Schaden anrichtet. Handelsübliche 1 kg Feuerlöscher kann ich nach dieser Übung nur noch als unnützes Spielzeug bezeichnen.Leckbekämpfung beim KA Sicherheitstraining in Neustadt

Nach einer kurzen Pause geht es nun um das Thema Leckbekämpfung. Nach einigen theoretischen Hinweisen finden wir uns in einem passenden Übungsraum wieder und bekommen Overalls und Gummistiefel. Unsere Aufgabe wird es sein, in einer hier aufgebauten Schiffssektion Wassereinbrüche zu stoppen. Dazu gibt es Hilfsmittel wie Leckstopfen, Keile, Decken, Kissen, sowie Kanthölzer und Werkzeug. Ich erwische die erste Gruppe und werde zum Skipper ernannt. Wir betreten recht ahnungslos den Schiffsrumpf – kurz danach spritzt die erste Wasserfontäne aus der Wand. Ich versuche, die Mitstreiter zu koordnieren und das benötigte Werkzeug zu ermitteln und zu verteilen – bei der Abschlussbesprechung muss ich mich daraufhin belehren lassen, dabei zu wenig die Übersicht behalten zu haben. Leckbekämpfung beim KA Sicherheitstraining in NeustadtDoch viel zu sehr nimmt uns das Geschehen gefangen. Kaum haben wir am ersten Wassereinbruch einen Achtungserfolg verzeichnet, sprudelt es an einer anderen Ecke. Auch die einzig geeignete Methode, den sprudelnden Riss in der Bordwand zu stopfen erkennen wir nicht. Die beiden Teams nach uns werden es einfacher haben. Nach gefühlten 10 Minuten, wir sind inzwischen klatschnass und die Gummistiefel bis zur Oberkante voller Wasser, erlöst uns der Ausbilder und es gibt Lob und Kritik. Eine sehr lehrreiche Übung, auch wenn es etwas Abstraktionsvermögen braucht, um die Übungen im stählernen „Schiffsrumpf“ auf eine Segelyacht zu übertragen.

Nun ist das Pensum für den ersten Tag geschafft und wir werfen uns in Schale für das Abendessen in der Offiziersmesse. In der maritim dekorierten Messe warten bereits die Ausbilder, nun in edler Uniform statt Feuerwehrkluft. Bei dem ein oder anderen Bierchen wird nun gefachsimpelt und das Erlebte diskutiert. In der Anmeldung war von „Truppenverpflegung“ die Rede, doch das leckere Abendessen übersteigt dies bei weitem. Gegen 23 Uhr mache ich mich auf den Weg ins Bett – um 7 Uhr soll es wieder Frühstück geben.

Der Bericht des zweiten Tages folgt auf der nächsten Seite...